Palästina im 19. Jahrhundert:
Letztlich war der Orientfeldzug Napoleons nur eine Episode in der Geschichte des Nahen Ostens.
Palästina blieb, wie auch alle benachbarten Länder des Nahen Ostens,
Teil des
Osmanischen Reiches. Im 19. Jahrhundert setzte sich allerdings die Tendenz fort, dass sich
einzelne Provinzen mehr
Unabhängigkeit erfochten. Unter dem Pascha und Vizekönig von Ägypten, Mohammed Ali, konnte das Land am Nil wieder eine gewisse Autonomie zurückgewinnen. Er wagte sogar den Konflikt mit der Zentralregierung in Istanbul und schickte seinen Sohn, Ibrahim Pascha, den späteren Vizekönig von Ägypten, um Palästina und Syrien zu erobern. Ibrahim Pascha konnte 1832 Akko und Damaskus einnehmen. Schließlich konnten die ägyptischen Truppen bis nach Anatolien vordringen und dem osmanischen Heer eine vernichtende Niederlage beibringen. Daraufhin erkannte das Osmanische Reich die ägyptische Oberhoheit über Syrien und Palästina an. Unter der Statthalterschaft von Ibrahim Pascha wurde juristische Reformen umgesetzt, die den Juden und Christen mehr Gleichberechtigung gaben. Man strebte in
Ansätzen eine
Modernisierung und
Säkularisierung der Region nach französischem Vorbild an. Doch schon nach wenigen Jahren mussten sich die Ägypter zurückziehen. Die wichtigsten europäischen Großmächte, allen voran Großbritannien, unterstützten das
Osmanische Reich in seinen Bestrebungen, die
alte Hegemonie in der Levante zurück zu gewinnen. 1
841 hatten die Ägypter das Gebiet
komplett geräumt.
Beginn der jüdischen Immigration:
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm das
Interesse der
Europäer am Heiligen Land zu. Aus Europa kamen auch die
ersten Gruppen jüdischer Siedler, um sich in
Palästina anzusiedeln. Sie gründeten erste Landwirtschaftssiedlungen, Vorgänger der Kibuzzim. Die erste
neue jüdische Siedlungsgründung (1878) dieser Bewegung hieß
Petah-Tikva, was soviel wie „Hoffnungstor“ bedeutet. Mit
Baron Rothschild war in den 1880er Jahren ein
reicher Unterstützer der Siedlungsbewegung gewonnen.
Die erste
größere zionistische Einwanderungswelle kam in den
1880er Jahren nach Palästina. Vorausgegangen waren antijüdische Progrome in Russland in den Jahren 1881 bis 1884. Viele
russische Juden flohen nach Westeuropa und in die USA.
Einige emigrierten nach
Palästina. Ende des 19. Jahrhunderts entstand die
Zionistische Bewegung, die den Ideen
Theodor Herzls folgte, der einen
Judenstaat in
Palästina vorschlug.
Ein
jüdischer Nationalfond wurde gegründet, um in
Palästina Land aufzukaufen. 1897 wurde der
Zionistische Weltverband gegründet. Und 1898 besuchte
Theodor Herzl Palästina. 1909 wurde die erste moderne jüdische Stadt gegründet: Tel-Aviv (bei Jaffa). Anfang des 20. Jahrhunderts kamen weitere
jüdische Einwanderungswellen ins Land.
Erster Weltkrieg:
Während des Ersten Weltkriegs (1914 bis 1918) war das Osmanische Reich mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn verbündet. Daher hatten sie auch gemeinsame Gegner. So musste das Osmanische Reich gegen britische und französische sowie russische Truppen kämpfen. Wichtige Frontabschnitte waren zum einen die Dardanellen, wo die Alliierten (Franzosen und Briten, unterstützt von Australiern und Neuseeländern) den Seeweg vom Mittelmeer zum Schwarzen Meer freikämpfen und Konstantinopel erobern wollten, und zum anderen die Region von Palästina und Syrien. Hier lag die Frontlinie an der Grenze zu Ägypten, das unter Britisch Kontrolle stand. 1915 besetzten türkische und deutsche Truppen den Sinai, um zum Suez-Kanal vorzustoßen. Dort wollte man den alliierten Seeverkehr stören. 1916 begannen die Briten mit der Rückeroberung des Sinai. Gleichzeitig begann in Arabien der Aufstand unter Sherif Hussein Ibn Ali, begleitet vom britischen Offizier T. E. Lawrence. Sie zogen vom Hedschas (Ostarabien) nach Syrien. 1917 stießen die Briten unter General Edmund Allenby nach Gaza vor, wo es zu zwei Schlachten mit den osmanischen und deutschen Truppen kam. Die Allierten konnten sich durchsetzen und über Berscheba nach Jerusalem vorrücken. Die Heilige Stadt wurde im Dezember 1917 erobert. Doch die Gefechte in Palästina und Jordanien dauerten bis 1918. Mit der
Balfour-Deklaration von
1917 erklärte sich Großbritannien bereit, sich für die Errichtung einer
nationalen Heimat für Juden in
Palästina einzusetzen. Damit wollte man der Zionistischen Bewegung entgegenkommen.
Ende der Osmanischen Herrschaft:
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs brach das Osmanische Reich zusammen. Die Kolonialmächte
Großbritannien und
Frankreich teilten sich den Nahen Osten untereinander auf. In dem
Sykes-Picot-Abkommen von
1916 war vereinbart worden, das Großbritannien nach dem Krieg die
Kontrolle über
Palästina und den
Irak, Frankreich über den
Libanon und
Syrien bekommt. Somit begann mit dem Ende des Ersten Weltkriegs bzw. praktisch schon mit der
Besetzung Palästinas 1917 die britische Herrschaft in Form einer
Militärverwaltung und schließlich
1920 mit dem
Mandat des
Völkerbundes.
Auswahl weiterführender Literatur
• Brenner, Michael, Geschichte des Zionismus, München 2002.
• Faroqhi, Suraiya, Geschichte des Osmanischen Reiches, München 2010 (5. Auflage).
• Krämer, Gudrun, Geschichte Palästinas, München 2006 (5. Auflage).
• Neulen, Hans Werner, Adler und Halbmond: Das deutsch-türkische Bündnis 1914-1918, Frankfurt a. M. und Berlin 1994.
• Palmer, Alan, Verfall und Untergang des Osmanischen Reiches, München 1994.
https://www.israel-spezialist.de/hei...herrschaft.htm