Zitat:
Mit Bezug auf die Moral, auf Gott und auf die Seele drängt also das Christentum den Menschen fort von dem Pfade, der zum Wissen führt und stürzt ihn in den Abgrund des Unglaubens, des Pessimismus und des Lasters. Bei der Kirche wird der Mensch zu aller letzt Rettung suchen vor den Leiden des Lebens; denn er weiß, daß weder das Bauen von Kirchen, noch das Wiederholen von Litaneien die Kräfte der Natur beeinflussen kann, – er ahnt instinktiv, daß die Kirche, seitdem sie nach dem Nützlichkeits-Prinzipe zu handeln begonnen, ihre Macht verloren habe, die Herzen der Menschen rühren zu können, daß sie jetzt nur noch auf der äußeren Ebene wirken kann, als die Stütze der Polizei und der Politiker.
Der Zweck der Religion liegt darin, die Menschheit zu ermutigen in ihrem lebenslangen Kampfe mit der Sünde und dem Leide. Das kann sie nur tun, wenn sie den Menschen hohe Ideale gibt für ein glücklicheres Leben nach dem Tode und ein würdigeres Leben auf Erden, – zwei Dinge, die beide durch bewußte Anstrengung erreicht werden können.
Was die Menschen von heutzutage nötig haben, ist eine Kirche, die ihnen eine Gottheit oder eine unsterbliche Seele im Menschen anbieten kann, die auf einer Stufe mit der Gedankenhöhe der Zeit stehen. Das dogmatische Christentum ist nichts für eine Welt, die zu denken anfängt; und nur derjenige, der sich in Gedanken dem Mittelalter anpaßt, kann eine Kirche schätzen, deren religiöse – von ihrer sozialen und politischen zu trennende – Aufgabe darin besteht, Gott in guter Stimmung zu erhalten, während die Laien ihn erzürnen, ferner für Witterungswechsel zu beten, und bei Gelegenheit dem Allmächtigen zu danken, daß er geholfen hat, die Feinde hinzuschlachten.