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Die Opposition ist überzeugt, dass die Reform Teil einer breiten Agenda ist, mit der Erdogan versucht, das säkulare Bildungswesen in der Türkei auszuhöhlen. Von einem neuen Zugangssystem, so argumentiert die Republikanische Volkspartei (CHP), könnten vor allem religiöse Imam-Hatip-Schulen profitieren, die künftig noch mehr Zulauf erhalten dürften.
Die Diskussion um die Aufnahmeprüfungen fällt in eine Zeit, da die verschiedenen Fraktionen in der Türkei ohnehin erbittert über Bildung streiten. Die Regierung hat die Sommerferien genutzt, um den Lehrplan an den Schulen radikal zu überarbeiten. Naturwissenschaften, Philosophie und Kunst werden zurückgefahren, stattdessen soll der Religionsunterricht ausgebaut werden.
"Kampfansage an Wissenschaft und Aufklärung"
Bildungsminister Yilmaz verspricht, seine Regierung werde die Türkei fit fürs 21. Jahrhundert machen. Die Bildungsgewerkschaft "Egetim-Bir" spricht dagegen von einer "Kampfansage an Wissenschaft und Aufklärung".
Die Schulen und Universitäten sind in der Türkei seither Schauplatz eines Richtungsstreits. Nationalisten, Liberale, Laizisten, Muslime versuchen, über die Bildung Einfluss auf den Kurs des Landes zu nehmen.
Halten sich die heutigen muslimischen Schüler, deren Eltern Erdogan-Anhänger sind, bereits jetzt an seine Zukunftsvisionen ?